Bayern barrierefrei bereisen

Barrierefreiheit ist für ...

10 %

... der Bevölkerung zwingend erforderlich

30 %

... der Bevölkerung hilfreich

100 %

... der Bevölkerung komfortabel

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Am 27. November 2017 findet der Bayerische Tourismustag 2017 zum Thema „Tourismus für Alle“ im Bayerischen Hof in München statt.

 

Barrierefreiheit als Qualitätskriterium bzw. Komfortmerkmal

Urlaub „ohne Einschränkungen“ wird im Tourismus zunehmend als Qualitätskriterium angesehen. Denn Barrierefreiheit spielt nicht nur für gut zehn Millionen Deutsche mit staatlich anerkannter Behinderung eine wesentliche Rolle bei der Wahl ihres Urlaubsziels. Von barrierefreien Angeboten profitieren alle. Sie sind eine hilfreiche beziehungsweise komfortable Lösung, zum Beispiel auch für Familien mit Kleinkindern,Menschen mit vorübergehender Einschränkung und Senioren. Zumal im Zuge des demografischen Wandels die Zahl der älteren Menschen beträchtlich steigt.

Potentiale nutzen – Reisen für Alle

Gerade im Hinblick auf den demografischen Wandel können Betriebe, die sich im Rahmen des Kennzeichnungssystems zertifizieren lassen, ein enormes ökonomisches Potenzial ausnutzen. Laut einer Studie des Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit würden 48,4 % der befragten Menschen mit Mobilitäts- und Aktivitätseinschränkungen häufiger verreisen, wenn es zusätzliche barrierefreie Angebote gäbe, 37% haben bereits aufgrund mangelnder barrierefreier Angebote auf eine Reise verzichtet. (Quelle: Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit, Ökonomische Impulse eines barrierefreien Tourismus für Alle, 2003).

Wichtig: Es geht nicht darum, dass alle Angebote vollständig barrierefrei sind – viel wichtiger ist die verlässliche Information über das tatsächlich vorhandene Angebot, auf Grundlage derer Gäste selbst entscheiden können, ob das Angebot für sie geeignet ist oder nicht.

Bereits jetzt bieten zahlreiche Regionen und Betriebe in Bayern tolle Angebote an, die die Reisebedürfnisse von Menschen mit Behinderungen erfüllen, häufig mangelt es allerdings an der Bereitstellung entsprechender Informationen für die Gäste. Mit dem Bundesprojekt „Reisen für Alle“ ist erstmals eine bundesweit einheitliche Darstellung von geprüften Informationen über barrierefreie Angebote möglich.

Kennzeichnungssystem „Reisen für Alle“

Das Deutsche Seminar für Tourismus (DSFT) Berlin e. V. ist – gemeinsam mit dem Verein Tourismus für Alle in Deutschland e.V. (NatKo) und unter Förderung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie Initiator des Projektes „Entwicklung und Vermarktung barrierefreier Angebote und Dienstleistungen im Sinne eines Tourismus für Alle in Deutschland”.

Ziel des gemeinsamen Projektvorhabens von DSFT und NatKo ist die Entwicklung und Vermarktung barrierefreier Angebote und Dienstleistungen, die sich primär an den z.T. spezifischen Wünschen und Bedürfnissen der Gäste ausrichten und dabei den Anbietern bessere Möglichkeiten einer erfolgreichen Profilierung bieten. Dabei gilt es durch geprüfte Qualität und einheitliche Darstellung verlässliche und detaillierte Informationen zu Nutz- und Erlebbarkeit touristischer Infrastruktur, Angebote und Dienstleistungen zu schaffen und somit eine zuverlässige Grundlage für Reiseentscheidungen zu bieten.

Alle Erhebungen werden von speziell geschulten Erhebern durchgeführt –eine Selbstauskunft der Betriebe ist nicht möglich. Teilnehmenden Partner sind dazu verpflichtet an einer Onlineschulung (kostenfrei) oder einer Präsenzschulung zum Thema „Reisen für Alle“ teilzunehmen und erhalten aussagekräftige Prüfberichte, die der Informationen von Gästen und Mitarbeitern dienen. Diese werden z.B. auf der Projektseite „Reisen für Alle“ sowie der Seite der by.TM www.bayern.by dargestellt.

Die Kennzeichnung:

Basierend auf der Zielvereinbarung von Behinderten- und Hotelverbänden wurden ein bundesweit einheitlicher Qualitätsstandard und -kriterien sowie ein Kennzeichnungssystem entwickelt. Das Kennzeichnungssystem umfasst Kriterienkataloge für Menschen mit Gehbehinderung, Rollstuhlfahrer, Hörbehinderung, gehörlose Menschen, Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen, Blinde und Menschen mit Sehbehinderungen.

Die Qualitätskriterien sind dabei widerspruchsfrei zu der Zielvereinbarung Gastgewerbe und zu den DIN-Normen (Zielvereinbarung für die standardisierte Erfassung, Bewertung und Darstellung barrierefreier Angebote in Hotellerie und Gastronomie).

Folgende Kennzeichnung wird im Anschluss an die Erhebung vergeben:

Piktogramm zu Information zu Barrierefreiheit
Hierbei werden alle erfassten Informationen, die für die spezifischen Bedürfnisse der verschiedenen Gästegruppen relevant sind, ohne Wertung aufbereitet und übersichtlich dargestellt. Es erfolgt keine Zuordnung zu Piktogrammen

Piktogramm zu Barrierefreiheit geprüft

Hierbei liegen zu erfüllende Qualitätskriterien zugrunde, die sich an den Zielvereinbarungen Gastgewerbe sowie den DIN-Normen orientieren. Je nach Erfüllungsgrad erhält der Betrieb zu den einzelnen Gästegruppen die Auszeichnung für „teilweise barrierefrei“ (gekennzeichnet durch ein kleines „i“) oder „barrierefrei“. Die Darstellung erfolgt in Kombination mit entsprechenden Piktogrammen, die gemeinsam mit Betroffenenverbänden entwickelt wurden.

(Die Kriterien wurden auch für andere Angebotstypen (Museen, Freizeiteinrichtungen usw.) übertragen).

Musterkennzeichnung „Barrierefreiheit geprüft“:

Piktogramm Komposition

Hier sehen Sie anhand des Beispieles Ägyptisches Museum in München eine mögliche Darstellung des Barrierefreiheit eines touristischen Betriebes.

Detaillierte Informationen zum DSFT-Projekt finden Sie auch unter: www.reisen-fuer-alle.de

Vorteile einer Kennzeichnung für touristische Leistungsträger

  • Ökonomisches Potenzial (siehe dazu auch „Bedeutung des Themas“)
  • Teilnahme an einheitlichem Kennzeichnungssystem, welches Gästen eine einheitliche Informationsqualität und –tiefe bietet
  • Darstellung des Angebots auf der Projekthomepage www.reisen-fuer-alleund unter www.bayern.by
  • Speziell geschulte Erheber erfassen den IST-Zustand des Angebots (eine Selbstauskunft ist nicht möglich)
  • verlässlichen Information für Mitarbeiter/innen sowie für Gäste als Grundlage für die Reiseentscheidung
  • detaillierte Informationen über die Zugänglichkeit des Angebots für alle Gästegruppen – ggfs. auch als Impuls für Weiterentwicklungen im Bereich der Barrierefreiheit
  • Eine vollständige Barrierefreiheit ist nicht Voraussetzung! – jedes erhobene Angebot erhält mindestens die Kennzeichnung „Information zur Barrierefreiheit“ und erhält Prüfberichte für alle Gästegruppen
  • Optional können Themen wie Allergien und Lebensmittelunverträglichkeiten erfasst werden
  • Die 90-minütige Online-Schulung „Reisen für Alle“ ermöglicht die Sensibilisierung von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen

Ihre Möglichkeit zur Teilnahme & Kosten

Wer kann mitmachen?

Das Kennzeichnungssystem richtet sich an die gesamte touristische Servicekette. D.h. jeder Betrieb bzw. jeder Ort kann teilnehmen.

Wie läuft der Erhebungs- bzw. Kennzeichnungsprozess ab?

  • Zunächst füllen Sie den Prüfauftrag aus und senden diesen an die by.TM.
  • Evtl. kommt die bearbeitende Person mit Rückfragen auf Sie zu oder Sie erhalten direkt die Vereinbarung zur Unterzeichnung.
  • Nach Unterzeichnung dieser Vereinbarung und Anmeldung des gewünschten Teilnehmers für die Online-Schulung erhalten Sie Ihren Zugangslink.
  • Nach Absolvieren der Online-Schulung vereinbart ein speziell geschulter Erheber einen Prüftermin mit Ihnen.
  • Es erfolgt die Vor-Ort-Begehung durch den Erheber, der den IST-Zustand Ihres Angebots (inkl. Fotoaufnahmen) für alle Gästegruppen erfasst.
  • Anschließend werden die Daten an die zentrale Prüfstelle übergeben, die die Kennzeichnung vergibt und die Auswertungsberichte verfasst.
  • Sie erhalten Ihre Urkunde sowie die Auswertungsberichte, die die Zugänglichkeit und barrierefreie Nutzbarkeit Ihres Angebots im Detail beschreiben.
  • Nach Zulieferung von Bild- und Textmaterial Ihrerseits wird Ihr Angebot mit den Auswertungsberichten auf der Projekthomepage reisen-fuer-alle sowie auf der Seite www.bayern.by dargestellt.

Wer führt die Erhebungen durch?

Alle Erhebungen werden von speziell geschulten Erhebern durchgeführt – eine Selbstauskunft der Betriebe ist nicht möglich. Die by.TM als Lizenznehmer hat Erheber für Bayern ausbilden lassen.

Welche Kosten kommen auf Sie zu?

Die Kosten setzen sich aus Erhebungs- und Zertifizierungskosten zusammen und hängen von der Größe des zu erhebenden Betriebs ab.

Erhebungskosten:

ab 260 € zzgl. MwSt. (je nach Umfang der zu erhebenden Bereiche)

Zertifizierungskosten:*
ab 150 € zzgl. MwSt.
Orte, sehr umfangreiche Betriebe bzw. Betriebe mit äußerster Komplexität erhalten ein individuelles Kostenangebot.

Bitte beachten Sie, dass sich die Preise ab 2018 voraussichtlich ändern.
* Zertifizierungskosten werden nach der Auswertung abgerechnet.

Was ist in den Zertifizierungskosten enthalten?

  • Ausstellung eines deutschlandweit gültigen Kennzeichens und einer Urkunde
  • Logos und Piktogramme in verschiedenen digitalen Formaten und als Aufkleber
  • Nutzungsmöglichkeit des Web Based Training (Online-) für alle Mitarbeiter/Innen
  • Auswertungsbericht für den Betrieb/ Ort
  • Berichte (PDF-Datei) mit den wesentlichen Daten für die Kommunikation des Betriebes/Ortes mit
    seinen Gästen/Kunden
  • Darstellung des Betriebs z.B. auf den Seiten reisen-fuer-alle.de und www.bayern.by
  • Regelmäßige Informationen zum Thema Barrierefreier Tourismus (Newsletter)
  • optional Lieferung von Plaketten (kostenpflichtig)

Wichtige Hinweise zur Kennzeichnung:

Die Kennzeichnung hat eine Gültigkeit von drei Jahren. Jeder teilnehmende Betrieb/Anbieter erhält mindestens die Auszeichnung „Information zur Barrierefreiheit“ und kann seinen Gästen verlässliche und geprüfte Informationen zur Zugänglichkeit und Nutzbarkeit zur Verfügung stellen. Somit hat jeder Gast die Möglichkeit, selbst zu entscheiden, ob das Angebot für ihn nutzbar oder eher ungeeignet ist.

Sollten zudem die Qualitätskriterien für eine oder mehrere Personengruppen erfüllt werden, erhält der Betrieb/Anbieter das Zeichen „Barrierefreiheit geprüft“ und die entsprechenden Piktogramme. Weitere Informationen zur Kennzeichnung „Reisen für Alle“ finden Sie auf der Projektwebseite www.reisen-fuer-alle.de

Online-Schulung:

Eine Voraussetzung der Zertifizierung nach „Reisen für Alle“ ist, dass mindestens ein/-e Mitarbeiter/-in des Betriebs/Anbieters die Online-Schulung „Reisen für Alle“ absolviert. Sie kann orts- und zeitunabhängig am PC absolviert werden. Der Zeitaufwand für die Schulung beträgt etwa zwei bis drei Stunden.  Um Ihnen einen Zugang zur Online-Schulung zu erstellen, benötigen wir die Namen und E-Mail-Adressen derjenigen, die daran teilnehmen sollen.  Jeder registrierte Teilnehmer erhält anschließend ein Zertifikat über die erfolgreiche Absolvierung dieser Sensibilisierungsmaßnahme.  Die Online-Schulung kann zudem von den Betrieben als kostenlose Weiterbildungsmaßnahme für die Mitarbeiter genutzt werden.

Unsere Empfehlung an Sie:

Nutzen Sie die Zeit bis zum Erhebungstermin und gehen Sie mit der Liste der Qualitätskriterien (https://www.reisen-fuer-alle.de/qualitaetskriterien_347.html) durch Ihren Betrieb. Prüfen Sie, ob mit kleinen Veränderungen weitere Barrieren abgeschafft werden können.

Alle Dokumente zum Thema Barrierefreiheit

Hier bieten wir Ihnen alle Dokumente zum Thema Barrierefreiheit als downloadbare pdf-Datei an:

Wegweiser für touristische Anbieter in Bayern

Die nachfolgenden Informationen bieten einen Überblick über ausgewählte staatliche Beratungs-, Förder- und Vermarktungsmöglichkeiten für barrierefreies Reisen in Bayern. Sie richten sich an touristische Anbieter in Bayern, die sich für das Thema interessieren und ihre Angebote in dem Bereich ausbauen wollen.

 

Bauberatung

Die bei der Bayerischen Architektenkammer angesiedelte “Beratungsstelle barrierefreies Bauen” bietet kostenlose Beratungen zum barrierefreien Bauen an. Das Beratungsangebot richtet sich an die Mitglieder der Bayerischen Architektenkammer, aber auch an Bauherren wie Nutzer und Verwaltungseinrichtungen.

Investitionsförderung

Touristischen Anbietern in Bayern, die ihre Infrastruktur barrierefrei gestalten wollen, stehen u.a. folgende Förderprogramme zur Verfügung:

  1. a) Touristische Investitionsförderprogramme des Bayerischen Wirtschaftsministeriums:a) Im Rahmen des Bayerischen Regionalen Förderprogramms für die Gewerbliche Wirtschaft (BRF) sind Aufwendungen zur
    Gewährleistung der Barrierefreiheit förderfähig und können prioritär gefördert werden. Das Programm gewährt erfolgreichen Antragstellern Investitionszuschüsse oder alternativ die Möglichkeit, den Zuschuss zur Verbilligung eines Darlehens einzusetzen. Die näheren Fördervoraussetzungen sowie das entsprechende Antragsformular sind auf der Internetseite des Bayerischen Wirtschaftsministeriums (Rubrik BRF) abrufbar. Erste Ansprechpartner für Gastwirte und Hoteliers, die sich umfassend über diese Fördermöglichkeit informieren wollen, sind die Sachgebiete Wirtschaftsförderung der Regierungen, die auch über die Förderung entscheiden.

Regierung von Oberbayern
Regierung von Niederbayern
Regierung der Oberpfalz
Regierung von Schwaben
Regierung von Mittelfranken
Regierung von Oberfranken
Regierung von Unterfranken

b) Auch im Rahmen der Förderung der kommunalen Tourismusinfrastruktur (z.B. Touristinformationen) sind Aufwendungen zur Gewährleistung der Barrierefreiheit förderfähig. Das entsprechende Förderprogramm (“Richtlinie zur Förderung von öffentlichen touristischen Infrastruktureinrichtungen” / RÖFE) ist auf der Internetseite des Bayerischen Wirtschaftsministeriums (Rubrik RÖFE) abrufbar. Erste Ansprechpartner für Kommunen, die sich umfassend über diese Fördermöglichkeit informieren wollen, sind ebenfalls die o.g. Sachgebiete Wirtschaftsförderung der Regierungen.

  • Auf Bundesebene können Unternehmen der Tourismusbranche für Maßnahmen des barrierefreien Tourismus grundsätzlich alle Programme der Mittelstandsförderung in Anspruch nehmen, soweit sie die Anspruchsvoraussetzungen erfüllen. Hierzu zählen beispielsweise das “Zentrale Innovationsprogramm für den Mittelstand” (ZIM) sowie die Gemeinschaftsaufgabe “Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur” (GRW). Eine Übersicht über Förderprogramme.
  • Auch die maßgeblichen Förderprogramme der EU im Bereich der Wirtschaftsförderung, die touristischen Anbietern offen stehen, ermöglichen grundsätzlich die Förderung von Projekten der Barrierefreiheit im Tourismus. Hierzu zählen die Ziele “Europäische territoriale Zusammenarbeit (INTERREG IV)” sowie “Regionale Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung (RWB)” im Rahmen des Europäischen Strukturfonds EFRE (Europäische Fonds für regionale Entwicklung). Ausführliche Informationen zu den bayerischen EFRE-Programmen  hat das Bayerische Wirtschaftsministerium zusammengestellt.

 

Zudem gibt es weitere Fördermöglichkeiten im Rahmen der gewerblichen Wirtschaftsförderung in Bayern.

“Tourismus für Alle” – ein Praktikerleitfaden für die Bayerische Tourismusindustrie

Barrierefreiheit im Tourismus ist in aller Munde. Doch wie sollen wir uns diesem Thema in der Praxis nähern, über welche Zielgruppen sprechen wir und was sind die erste Schritte zum Erfolg?

Der Leitfaden dient als Orientierungshilfe für touristische Betriebe und Destinationen, die Komfort & Service für alle Gäste schaffen wollen.

Sie können sich den Praktikerleitfaden auch als PDF-Datei (14 MB) herunterladen.

Staatssekretär Franz Josef Pschierer “Bayern ohne Barrieren”

Namensbeitrag (Quelle: da.by Magazin 2/2015)

Staatssekretär Franz Josef Pschierer

Mit dem Programm „Bayern barrierefrei 2023“ wollen wir allen Menschen die selbstbestimmte und gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglichen und bei der Bewältigung ihres Alltags helfen. Auch das Thema Reisen und der damit verbundene Wunsch nach Erholung, Entspannung und einer sinnvollen Freizeitgestaltung zählen zu den Grundbedürfnissen vieler Menschen. Hier setzt das Kennzeichnungssystem ‚Reisen für Alle‘ an.

Angesichts ungebrochener Attraktivität Bayerns – sowohl national als auch international – muss das Informations- und Kommunikationsangebot aber noch transparenter und detaillierter werden. Denn gerade die Recherchearbeit stellt für einen auf Barrierefreiheit angewiesenen Gast einen erheblichen Aufwand dar und entscheidet über das Ob, Wo und Wie einer Reise. Zuverlässige, zertifizierte und detaillierte Angaben in einer zentralen Datenbank bieten dabei eine wichtige Unterstützung. Mit dem deutschlandweit einheitlichen Kennzeichnungssystem ‚Reisen für Alle‘ beschreiten wir diesen Weg.

In Bayern haben viele Destinationen das Zepter des Handelns längst in die Hand genommen und die Bedürfnisse älterer, aktivitäts- oder mobilitätseingeschränkter Gäste in den Mittelpunkt gestellt. Einmal im Bewusstsein ist es leichter, Herausforderungen, wie unüberwindbare Zugänge, fehlende akustische Signale oder intransparente Informationen, schneller zu erkennen und zu beseitigen. Zehn Pilotdestinationen aus Bayern sind derzeit dabei, eine Vielzahl an Angeboten mit geschlossenen barrierefreien Serviceketten zu entwickeln und in die Informations- und Marketingkonzepte der Bayern Tourismus Marketing GmbH (by.TM) einzubinden.

Erfolge im barrierefreien Tourismus sind nur möglich, wenn alle am Tourismus Beteiligten an einem Strang ziehen. Mein Dank gilt daher vor allem den Behindertenverbänden und den Destinationen, die bei der Entwicklung der Anforderungen und Signets mitgearbeitet haben. Ihre Erfahrungen sind unverzichtbar und bieten die Chance, dass möglichst viele der bisherigen Initiativen in die neue Kennzeichnung eingebunden werden. Unser Ziel war es, die nötigen Anreize zu setzen, damit schnell entlang geschlossener Serviceketten Angebote entstehen und sichtbar werden.

Es ist Frau Staatsministerin Ilse Aigner und mir ein besonderes Anliegen, das Kennzeichnungssystem ‚Reisen für Alle‘ rasch und flächendeckend in Bayern anzubieten. Deshalb freut es mich, dass die Anreize, die wir setzen, so umfassend angenommen werden. Die vier Erheberplätze sind bereits vergeben, die zehn ersten Pilotregionen wurden ausgewählt und der Wettbewerb um die ersten 100 kostenfreien Zertifizierungen ist nahezu entschieden. Bereits Mitte November haben in allen Regionen erste Sensibilisierungsschulungen stattgefunden. Dabei wurden rund 70 Teilnehmer im Rahmen von ganztägigen Seminaren mit dem Thema ‚Reisen für Alle‘ mit all seinen Aspekten vertraut gemacht.
Der Stein wurde durch die Anschubfinanzierung ins Rollen gebracht, aber es gibt noch viel zu tun! Ich freue mich darauf, gemeinsam mit den touristischen Partnern Bayerns den barrierefreien Tourismus weiter voranzubringen. Denn auch und besonders in diesem Bereich gilt der Grundsatz der bayerischen
Tourismusfamilie: Gemeinsam sind wir stark!

Interview mit Verena Bentele

(Quelle: daby Magazin 2/ 2015)

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“Urlaub ohne Einschränkungen” wird im Tourismus zunehmend als Qualitätskriterium angesehen.Von barrierefreien Angeboten profitieren alle, auch Verena Bentele. Von Geburt an blind, verbrachte sie ihre Kindheit in einem Sechs-Häuser-Dorf am Bodensee. Ein starker Wille und unendlicher Ehrgeiz zeichneten Verene Bentele von Kindesbeinen an aus.

Frau Bentele, Sie reisen viel und gerne, waren auf dem Kilimandscharo und als erster blinder Mensch auch auf dem Mount Meru. Wie orientieren Sie sich in einer neuen Umgebung?

Für meine Orientierung gibt es einerseits den Blindenstock als wichtiges Hilfsmittel. Mit ihm erkenne ich Stufen, Schilder und andere Hürden, die mir im Weg stehen. Andererseits ist natürlich auch meine Assistenz wichtig; beispielsweise bei Dienstreisen habe ich eine Arbeitsassistentin dabei, die mit mir den richtigen Bahnsteig findet, mich zum Konferenzraum begleitet oder mir Räumlichkeiten beschreibt, in denen ich Vorträge halte. Wenn ich privat verreise, dann bin ich meist mit Freunden unterwegs, die mir in einer Stadt oder in der Natur viel beschreiben, die mit mir Rad fahren, Ski laufen oder die das Auto steuern.

Wie bereiten Sie sich auf eine Reise vor? Treffen Sie spezielle Vorkehrungen oder haben Sie einen Fragenkatalog, den Sie vorab mit touristischen Anbietern klären?

In meinem Fall gilt es zu klären, dass das Zimmer im Hotel leicht aufgefunden werden kann. Außerdem kläre ich ab, ob ich an allem teilnehmen kann. Beispielsweise bei Bergbesteigungen ist vorher abzuklären, ob der Bergführer mich mitnimmt. Bei Rollstuhlfahrern gibt es jedoch deutlich mehr und andere Dinge abzuklären. Ist die Tür ins Badezimmer auch für einen Elektro-Rollstuhl breit genug? Welche Höhe hat das Bett? Können alle Räumlichkeiten ohne Treppen erreicht werden? Hier wünsche ich mir deutlich transparentere Informationen der Leistungsanbieter.

Es ist anzunehmen, dass das vorhandene Reiseangebot für Menschen mit Handicap deutlich größer ist, als man – aufgrund der vorhandenen Informationen vermuten könnte. Wie denken Sie darüber bzw. was sind Ihre Erfahrungen?

Ich denke, dass es bereits einige gute Angebote für Menschen mit und ohne Behinderung gibt. Schon 2005 hat der DEHOGA Mindeststandards vereinbart. Aufgrund der immer mehr älteren Menschen benötigen wir jedoch meines Erachtens noch viel mehr Reiseangebote, die auch eine Hilfestellung im Bereich Mobilität oder Informationen in leichter Sprache beinhalten. Neben Menschen mit einer Behinderung profitieren auch Senioren und Familien von barrierefreien Angeboten.

Die Standards in puncto Barrierefreiheit sind von Land zu Land stark unterschiedlich. Gibt es aus Ihrer Sicht ein Best Practice Beispiel?

Nicht einzelne Länder, aber einzelne Einrichtungen tun sich hier hervor. So gibt es Restaurants mit Speisekarten in besonders kontrastreicher und auch in Brailleschrift für Menschen mit Sehbehinderungen. Eine Beschilderung und Bodenleitsysteme können ebenfalls sehr hilfreich sein. Und Hotels können sich durch induktive Höranlagen, Blinksignale etwa am Telefon, einem abgesenkten Counter an der Rezeption oder taktile Handläufe auszeichnen. Der barrierefreie Zugang zum Gebäude ist immer erst der Anfang.

Hand aufs Herz – wie groß sind Ihrer Erfahrung nach die Barrieren in den Köpfen der Menschen gegenüber Personen mit Handicap?

Es gibt natürlich immer noch viele Barrieren in den Köpfen. Um diese zu beseitigen, müssen wir noch viel investieren, und ich weiß, dass sich jede Anstrengung lohnt. Gemeinsame Erfahrungen wie beispielsweise Reisen helfen schon sehr, um diese Barrieren zu beseitigen. Nur wenn Menschen mit und ohne Behinderung sich kennen, wird das Verständnis wachsen.

Manchmal sind es die kleinen Dinge, die das Leben leichter machen. Haben Sie Ideen, mit welchen Kleinigkeiten und ohne hohe Investitionskosten touristische Betriebe Gästen mit Handicap das Reisen erleichtern könnten?

Erst einmal werbe ich dafür, dass Informationen besser kommuniziert werden. Dann erleben Nutzer keine unangenehmen Überraschungen und wissen, worauf sie sich einlassen. Dann sind oft auch Kleinigkeiten entscheidend: Ich zum Beispiel als blinde Hotelbesucherin wünsche mir, dass an den Türen die Zimmernummer mit Brailleschrift angeschrieben wird, so verirre ich mich nicht ins falsche Zimmer.

Sie sind in der Welt zu Hause, doch in Bayern daheim. Wo tanken Sie Kraft in der Heimat, was ist Ihr persönlicher Lieblingsplatz?

Ich entspanne mich gut, wenn ich mit dem Rad durch das bayrische Seenland fahre, wenn ich nach einer langen Rennradtour noch baden gehen und dann im Biergarten sitzen kann.

Ihre Ansprechpartner:

Svenja Czehowsky
Svenja Rendić

Manager Themenmarketing Natururlaub, Tourismus für Alle, Herrschaftliches Bayern

Daniela Hitzler
Daniela Hitzler

Manager Themenmarketing stade zeiten®, Tourismus für Alle